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Landtagsabgeordneter Hermino Katzenstein sprach mit Freiwilligen

Ein FSJ in einer Behinderteneinrichtung?

Hermino Katzenstein MdL

Bei der Lebenshilfe Sinsheim und der Kraichgau-Werkstatt werden Menschen mit ganz unterschiedlichem Förderbedarf, darunter auch solche mit schwersten und mehrfachen Behinderungen, individuell gefördert. Bei der Betreuung kommen regelmäßig auch junge Leute zum Einsatz, die sich im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) engagieren möchten.

Der Landesarbeitskreis FSJ, der die Freiwilligendienste organisiert, hatte den grünen Landtagsabgeordneten Hermino Katzenstein eingeladen, den Freiwilligendienst in einer Einsatzstelle näher kennen zu lernen. Der nahm sich zwei Stunden Zeit, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, sich ein Bild von deren Arbeit zu machen und etwas über die Rahmenbedingungen ihres Einsatzes zu erfahren.

Die jungen Freiwilligen erzählen, wie sie sich um die Menschen mit Behinderungen kümmern, ihnen beim Essen helfen oder auch bei Toilettengängen. Durch die Arbeit im Team und den Umgang mit ganz unterschiedlichen Menschen sind sie offener und aufgeschlossener geworden. Anfängliche Unsicherheiten wurden schnell überwunden. „Ich war skeptisch, aber inzwischen ist der Umgang mit Behinderten für mich ganz normal. Wenn ich jetzt Jemanden sehe, der Hilfe braucht, habe ich keine Berührungsängste mehr“, berichtet eine junge Frau. Eine andere ergänzt: „Man fängt an nachzudenken: Was heißt es, behindert zu sein. Wie reagiere ich darauf? Ich bin viel selbstbewusster und verantwortungsvoller geworden.“ Viele beginnen ein FSJ weil sie sich beruflich orientieren wollen. „Ich weiß nun was ich machen will“, sagt eine Teilnehmerin, die sich für einen sozialen Beruf entschieden hat.

Gut gefallen haben den Freiwilligen auch die Seminare, die den Blick über den Tellerrand und den Austausch mit anderen Freiwilligen erlauben.

Er selbst habe vor dem Studium seinen Zivildienst in einem Kinderheim geleistet, erzählt der Abgeordnete und schickt hinterher: „Ich möchte die Zeit nicht missen, das war eine wichtige Erfahrung für mich.“ Und dann stellt er zur Diskussion, ob man ein solches Jahr nicht verpflichtend machen sollte. Hier gab es Zweifel, weil nicht jeder Interesse an einer sozialen Tätigkeit habe. Für soziale Berufe aber könne das durchaus sinnvoll sein.

Katzenstein, vor der Landtagswahl im März noch Personalratsvorsitzender der Universität Heidelberg, weist aber auch auf die Gefahr hin, dass reguläre Arbeitsstellen eingespart werden könnten. „Das ist eine sehr schmale Gratwanderung“, betont er.

Von entsprechenden Diskussionen mit Gewerkschaften berichtet Dietrich Hartlieb von der Diakonie Baden, einem Träger im Freiwilligendienst. „Jeder Mensch sollte die Gelegenheit haben, sich zu erproben und Selbständigkeit und Verantwortung zu lernen“, sagt er. Er sieht die Fachkräfte, aber auch die Politik in der Pflicht. Viel hänge davon ab, wie die jungen Leute eingearbeitet und angeleitet würden.

Hartlieb berichtet, dass das FSJ in Baden-Württemberg eine Erfolgsgeschichte sei. Die Zahl der Plätze sei von 5 000 im Jahr 2005 auf 12 800 im Jahr 2015 gestiegen. Für die Träger habe dieser Erfolg aber auch eine Kehrseite. Denn der Zuschuss des Landes konnte mit diesem Anstieg nicht mithalten. Bekamen die Träger im Jahr 2005 pro Kopf noch 500 Euro, so waren es 2015 nur noch 240 Euro. „Wir wollen die Qualität der persönlichen Begleitung halten“, betont er. Eine klare Ansage, die Katzenstein gern mit auf den Weg  nimmt.

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung Herrn Katzensteins)

 

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